Solarfärben

Solarfärben – Wolle färben mit Pflanzenfarben

Der Sommer ist eine fabelhafte Zeit, um neue Dinge auszuprobieren oder alte Liebeleien neu zu entdecken. Ich bin wieder im Färberausch. In meinem Atelier köchelt schon seit einigen Tagen der Färbetopf vor sich hin und zaubert mir die schönsten Farben auf meine Lieblingsmaterialien; Wolle und Stoffe. Da liegt es doch nahe, auch mal das Färben mit Pflanzen auszuprobieren und der Wetterfrosch verspricht gerade schönstes Sonnenwetter. 🌞  

Solarfärben ist ein langsamer, achtsamer Prozess. Es macht Freude, auf der morgendlichen Hunderunde ein paar Zutaten zum Färben zu sammeln, die Gläser damit zu befüllen und dann einfach zuzuschauen, was da so passiert. 

Beim Solarfärben besteht übrigens auch keine Gefahr, dass die Wolle schon beim Färbeprozess verfilzt. 💖 Und wie licht- und waschecht diese Farben sind? Probieren wir es aus!

Das brauchst du alles zum Solarfärben

  • große Gläser mit Deckel, z.B. große Gurkengläser oder Einweckgläser
  • Färbematerial: Seide, Wolle, Filzstücke, Wolllocken – tierische Fasern
  • Pflanzenteile zum Färben – frisch oder getrocknet; Blüten, Rindenstücke, Blätter, Beeren oder Küchenabfälle
  • Kaltbeize AL (die gibt es bei www.das-wollschaf.de)

Mir ist schon klar, das ich damit keine so großen Mengen Wolle und Seide  färben kann wie in meinem Kochtopf mit den Säurefarben, aber ich bin gespannt auf die Farbtöne. Und sind wir mal ehrlich, für die feinen Filzstoffe braucht es auch keine großen Mengen an Wollfasern, da kommt man mit 50 g Wolle schon weit. 😉

Vorbehandlung deiner Färbematerialien

Damit die Woll- und Seidenfasern die Farbstoffe gut aufnehmen können, müssen diese vorbehandelt/ gebeizt werden. Ich beize meine Färbematerialien (Wolle & Seide) mit Kaltbeize AL (Aluminiumtriformiat)

Kaltbeize AL beizt auch schon bei kalten Temperaturen, das benötigt zwar etwas mehr Zeit, ist aber faserschonend und energiesparend. Übrig gebliebene Beize ist biologisch abbaubar und somit leicht zu entsorgen.  Eine Vorbehandlung mit Kaltbeize AL ist also ganz einfach. ✨

Herstellen der Beizlösung

Kaltbeize AL ist ein weißes Pulver, das ich fertig gekauft habe und nur noch in kaltem Wasser anrühren muss.
Für 5 Liter Beizlösung habe ich 100 g Kaltbeize AL abgewogen und in einen Eimer (mit Deckel) gegeben. Die Kaltbeize AL wird mit ca. 2 Liter warmen Wasser aufgelöst und dann mit kalten Wasser auf 5 Liter aufgefüllt.

Du kannst die Beizlösung sofort verwenden und deine Färbematerialien darin baden, bis du sie verwenden möchtest. Ich habe meine Wolle-Seide-Mischung und ein paar Seidenstoffe darin über Nacht eingeweicht. Für schöne Färbeergebnisse solltest du deine Färbematerialien min. 8 Stunden im Beizbad einweichen

➡️ Tipp: Kaltbeize AL hat keinerlei beeinträchtigende Wirkung auf Wolle und Seide. Du kannst frisch gebeiztes Material sogar über mehrere Wochen im Beizbad liegen lassen – so hast du stets einen Vorrat an frisch gebeiztem Material. 

Wenn du nun soweit bist, die Färbematerialien beim Herausnehmen aus dem Eimer gut ausdrücken und evtl. noch schleudern. Und schon kann es weitergehen, du kannst deine Färbematerialien sofort in die Färbeflotte legen. Ein Ausspülen der Beize ist nicht notwendig. 

Beim Beizen solltest du dich natürlich an alle dir bekannten Sicherheitsvorkehrungen halten, wie nicht einatmen, essen, trinken, gut lüften, Handschuhe tragen…!!!

➡️ Tipp: Die Kaltbeize kannst du übrigens aufheben und ganz oft wiederverwenden. Wenn die Kaltbeize länger steht, setzt sie sich am Topfboden ab, dann einfach wieder aufrühren und weiter geht es! Wenn du die Beize schon länger verwendest, ist es besser, deine Färbematerialien ein paar Tage einzuweichen. Nach und nach verbraucht sich die Flüssigkeit. Sie wird aber weder schlecht, noch riecht sie unangenehm! Allerdings solltest du sie frostfrei lagern!

Solarfärben Pflanzen

Diese Pflanzen kannst du zum Färben verwenden

Die Auswahl an Färbepflanzen scheint ja grenzenlos zu sein, deshalb ist es gut sich einen kleinen Überblick zu verschaffen über die Pflanzen und deren Farbspektrum. Die Liste ist natürlich nur ein kleiner Einblick in die Welt der Pflanzenfarben. Du findest auch nicht jede Pflanze am heimischen Wegesrand, dennoch wollte ich hier nicht darauf verzichten. Es lohnt sich sicherlich,  auch diese einmal auszupobieren. Die Farbtöne sind von verschiedenen Faktoren abhängig und können je nach Bedingungen variieren. 😉 Aber ich liebe Experimente!

Trauen wir uns, lassen wir uns überraschen und staunen einmal mehr über den Reichtum unserer Natur! 

Ackerschachtelhalm – gelb und grün
Avocadoschalen und -kerne – 
Birkenblätter – gelb/ grün
Blauholz – violett
Blutpflaume, Blätter – grün
Bluthasel – 
Brennesselblätter – grün
Eichelhütchen – 
Erlenzapfen –
Eukalyptus – 
Faulbaumrinde – gelbgold
Färberdistelblüten – goldgelb
Färbewaid – blau
Galläpfel – grau/ schwarz
Goldrute – gelb/ orange/ oliv
Granatapfelschalen – 
Heidekraut – warmes gelb/ olivgrün
Henna – gelbgold/ orange
Johanniskraut – gelb/ orange
Kamilleblüten – gelb/ braun
Krappwurzel – ziegelrot/ dunkelrot
Kurkuma – gelb/ gold
Mädchenauge – gelb/ orange
Myrthe – leuchtend gelb
Orleansaat – gelborange, rotrot
Reseda – gelb
Rosmarin – grün
Schilfblüten – grün
Sommerflieder – 
Stockmalvenblüten – violett/ blau
Tagetesblüten – gelb/ orange
Walnussschalen – gelbbraun dunkel
wilder Wein – 
Zwiebelschalen, braun – gelb/ orange
Zwiebelschalen, rot – grün/ rotbraun

➡️Tipp: Beim Färben mit grünen Walnussschalen ist wegen des hohen Gerbstoffgehaltes der Schalen keine Beize notwendig. Der Farbstoff entwickelt sich am besten unter Sauerstoffeinwirkung, deshalb den Deckel etwas offen lassen oder immer mal lüften.

So funktioniert's

Nun schichtet man abwechselnd das “zerkleinerte” Färbematerial (Blätter und Blüten) mit den gebeizten Woll- und Seidenfasern in die Gläser und füllt die Gläser mit Wasser auf.

Beim Färben mit Rindenstücken (z.B. Blauholz) oder getrockneten und zerkleinerten Blättern ist es vorteilhaft, diese in ein Stückchen Chiffonseide zu packen und zu einem kleinen Säckchen zu zubinden und so in das Färbeglas zu legen. Sonst kämpft man hinterher mit den Reststücken in der Wolle. Auch können Pilze, Beeren und Blüten mit der Zeit matschig werden und sich in den Wollfasern festhängen. 

  • Abwiegen der Wollfasern, der Seide und Filzstücke
  • Färbematerial in Wasser einweichen etwas ausdrücken, dann in Kaltbeize AL über Nacht stehen lassen
  • gut ausdrücken, evtl. schleudern
  • Färbepflanzen im Verhältnis 1 : 1 oder 1 : 2 zugeben

➡️ Tipp: verschiedene Färbepflanzen einer Farbgruppe können auch gemischt werden oder experimentell alles bunt durcheinander. 🎉

  • Gläser mit Wasser auffüllen, exakt bis an den Rand um Schimmelbildung vorzubeugen und an einen sonnigen, warmen und ungestörten Ort stellen – muss dort ca. 3 bis 4 Wochen in der Sonne 🌞stehen können

Achtung:  Beim Färben mit Krappwurzel – etwas Platz im Glas lassen, da diese noch etwas aufquellen.

  • Wenn sich der Flüssigkeitspegel in den Gläsern gesenkt hat, etwas Wasser nachfüllen!
  • Die Gläser können hin und wieder mal auf dem Boden vorsichtig gerollt werden, damit die Farbe möglichst intensiv mit den Wollfasern in Berührung kommt. 
  • Bereits nach einer Woche in der Sonne zeigen sich die ersten Farben. Nach ca. drei bis vier Wochen sollte die Färbung abgeschlossen sein. 
  • Sind die Gläser fertig, in eine Schüssel gießen, die fertig gefärbten Materialien ausdrücken und von den Pflanzenresten befreien und zum Trocknen auf die Leine hängen, dann evtl. verbliebene Reste ausschütteln. Ruhig ein paar Tage ruhen lassen, dann ausspülen. 

Wenn der Farbton zu hell ist, kann auch noch nachgefärbt werden – es muss nicht erneut gebeizt werden!

  • Ins letzte Spülbad einen Schuss Essig dazu geben. Farben, die pH-empfindlich sind, können dabei nachdunkeln.
  • Dokumentation – Menge an Fasern, Farbmittel, Flüssigkeit, Dauer der Färbung 😉
Solarfärben Wolle

Meine Gläser fülle ich mit:

  • Wolle, Wolle-Seide-Mischung, Seidenfasern und Margilanseide
  • Ackerschachtelhalmkraut
  • Orleansaat
  • Myrthenblätter
  • Heidekraut
  • Galläpfel
  • Walnussschalen
  • und mal sehen, was mir noch über den Wek “läuft” 😉

Also, worauf wartest du? Mach mit!
Nimm dir ein kleines Körbchen, sammle ein paar Blätter und Blüten auf dem nächsten Spaziergang oder im Garten und mach mit bei meiner Sommer-Sonne-Färbe-Challenge.

Deine
Ina

3 Kommentare zu „Solarfärben – Wolle färben mit Pflanzenfarben“

  1. Anja Kronberger

    Vielen lieben Dank für die ausführliche Beschreibungen. Das mach Lust auf’s ausprobieren.

  2. Howdy! I’m at work surfing around your blog from
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  3. Liebe Ina, danke für die ausführliche Anleitung. Ich werde es auf jeden Fall ausprobieren. Kann man die Beize auch selbst herstellen?
    Einen schönen Sommer wünscht dir Marion

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